Überblick
Selank ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro. Die ersten vier Aminosäuren entsprechen Tuftsin, einem körpereigenen Tetrapeptid aus der schweren Kette von Immunglobulin G mit immunmodulierenden Eigenschaften (Übersicht: Siebert et al. 2017, PMID 28745220). Das C-terminale Pro-Gly-Pro teilt Selank mit Semax. Entwickelt wurde es am Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Forschungsstand
- GABAerges System, Genexpression. Eine Stunde nach Gabe veränderte sich im frontalen Kortex von Ratten die Expression von 45 der 84 untersuchten Gene der Neurotransmission, nach drei Stunden die von 22. Die Muster korrelierten mit denen nach GABA-Gabe (Volkova et al. 2016, PMID 26924987).
- GABAerges System, Rezeptorbindung. In Radioligand-Versuchen an Membranpräparaten verhielt sich Selank wie ein positiver allosterischer Modulator der [³H]GABA-Bindung (Vyunova et al. 2018, PMID 30255741).
- Enkephalinabbau. Selank hemmte die enzymatische Hydrolyse von Enkephalinen im Plasma dosisabhängig (IC50 ≈ 15 µM), stärker als die Peptidasehemmer Bacitracin und Puromycin (Zozulya et al. 2001, PMID 11550013).
- BDNF. In Ratten regulierte Selank die BDNF-Expression im Hippocampus (Inozemtseva et al. 2008, PMID 18841804).
- Immunsystem. In der Milz von Mäusen veränderten Selank und sein Fragment Gly-Pro die Expression mehrerer entzündungsassoziierter Gene (C3, Casp1, Il2rg, Xcr1) in ähnlicher Weise (Kolomin et al. 2014, PMID 24291245).
Grenzen der Datenlage
- Die Publikationen stammen überwiegend aus einem kleinen Kreis russischer Institute. Unabhängige Replikationen fehlen weitgehend.
- Viele Befunde beruhen auf Genexpressionsanalysen zu wenigen Zeitpunkten. Funktionelle Konsequenzen sind daraus nur begrenzt ableitbar.
- Selank wird enzymatisch zu kürzeren Fragmenten abgebaut, und das Fragment Gly-Pro zeigte in Mäusen ähnliche Expressionsmuster wie das intakte Peptid. Welche Befunde auf welche Spezies zurückgehen, ist nicht abschließend geklärt.
- Klinische Publikationen betreffen das in Russland registrierte Arzneimittel und sind nicht auf ein Forschungsreagenz übertragbar.
Handhabung im Labor
Das Vial vor dem Öffnen auf Raumtemperatur bringen und das Lösungsmittel an der Glaswand einlaufen lassen; schwenken statt schütteln. Für Mehrfachentnahmen ist bakteriostatisches Wasser üblich. Für Zellkulturversuche empfiehlt sich steriles Wasser oder Puffer ohne Benzylalkohol. Konzentrationen berechnet der Rekonstitutionsrechner.
Qualität
Jede Charge wird vor der Freigabe extern geprüft: Reinheit per HPLC (mindestens 99 %) und Identität per Massenspektrometrie (theoretische Masse 751,9 Da). Das Zertifikat ist über die Chargennummer in der COA-Bibliothek abrufbar.