Das Analysezertifikat lesen
Ein COA ist nur so viel wert wie seine Rückverfolgbarkeit. Sechs Angaben entscheiden, ob ein Zertifikat prüfbar ist oder nur dekorativ.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst publizierte Forschung zusammen. Er ist keine Anwendungsempfehlung und keine medizinische Information. Unsere Produkte sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.
Sechs Angaben, in dieser Reihenfolge
Ein Analysezertifikat – im Handel meist COA für Certificate of Analysis – dokumentiert die Prüfung einer Charge. Beim Lesen lohnt eine feste Reihenfolge:
1. Chargennummer. Die erste und wichtigste Prüfung: Stimmt die Nummer im Dokument mit der auf dem Vial-Etikett überein? Wenn nicht, gehört das Zertifikat nicht zu diesem Produkt. Ein COA ohne Chargenbezug ist Werbematerial.
2. Substanzbezeichnung. Steht dort exakt das Molekül, das bestellt wurde? Bei Derivaten ist das nicht trivial: „N-Acetyl Semax” und „N-Acetyl Semax Amidat” unterscheidet ein einziges Wort und ein Dalton.
3. HPLC-Reinheit. Der Flächenanteil des Hauptpeaks, üblicherweise bei 214 nm gemessen. Was der Wert bedeutet – und was nicht – erklärt HPLC-Reinheit.
4. Masse aus der MS. Gemessen und theoretisch. Nur beide Werte zusammen erlauben eine Beurteilung; siehe Massenspektrometrie.
5. Labor und Prüfdatum. Ein namentlich genanntes Labor mit Datum ist nachprüfbar. Bietet das Labor einen Verifizierungslink an, umso besser – dazu COA verifizieren.
6. Nettopeptidgehalt, sofern angegeben. Für exakte molare Ansätze der eigentlich maßgebliche Wert, siehe Nettopeptidgehalt.
Was zusätzlich nützlich ist
Über das Pflichtprogramm hinaus finden sich auf guten Zertifikaten:
- Das Chromatogramm selbst, nicht nur die daraus abgeleitete Zahl
- Das Massenspektrum mit sichtbarem Molekülionenpeak
- Aussehen und Löslichkeit als einfache Plausibilitätsangaben
- Wassergehalt, meist per Karl-Fischer-Titration
- Verfalls- oder Wiederholungsprüfdatum
Woran man ein unbrauchbares Dokument erkennt
Bestimmte Muster sollten misstrauisch machen:
- Keine Chargennummer oder eine, die nicht auf dem Vial steht
- Rundwerte ohne Nachkommastelle – „99 %” statt „99,4 %” deutet auf eine gesetzte statt gemessene Zahl
- Kein Prüfdatum oder ein Datum, das älter ist als die Charge
- Kein Laborname, nur ein Logo
- Identische Werte über mehrere Chargen hinweg – echte Messungen streuen
- Nur eine Zahl, kein Chromatogramm
Warum Chargenbezug alles entscheidet
Peptide werden in Chargen synthetisiert und gereinigt. Zwei Chargen desselben Produkts sind chemisch nicht identisch – sie unterscheiden sich in Reinheitsprofil, Restfeuchte und Gegenionenanteil. Ein Zertifikat, das für „das Produkt” gilt statt für eine Charge, sagt deshalb nichts über das Vial in der Hand.
Praktische Folge für Versuchsreihen: Material aus einer Charge beziehen, damit Chargenschwankungen nicht als Substanzeffekt erscheinen. Wie die Freigabe abläuft, beschreibt Chargenfreigabe.
Die Zertifikate der hier geführten Chargen sind über die Chargennummer in der COA-Bibliothek abrufbar.