Bakteriostatisches Wasser
Das Standardlösungsmittel für Peptid-Stammlösungen mit Mehrfachentnahme – und warum es für Zellkulturen meist nicht infrage kommt.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst publizierte Forschung zusammen. Er ist keine Anwendungsempfehlung und keine medizinische Information. Unsere Produkte sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.
Zusammensetzung und Prinzip
Bakteriostatisches Wasser ist steriles Wasser mit 0,9 % (9 mg/ml) Benzylalkohol. Benzylalkohol ist ein Konservierungsmittel: Er verhindert, dass sich Keime vermehren, die beim wiederholten Durchstechen eines Septums eingetragen werden. Steriles Wasser ohne Zusatz verliert diesen Schutz mit dem ersten Anstechen.
Vergleich der Lösungsmittel
| Bakteriostatisches Wasser | Steriles Wasser | 0,9 % NaCl | |
|---|---|---|---|
| Konservierungsmittel | 0,9 % Benzylalkohol | keines | keines |
| Mehrfachentnahme | geeignet | nicht empfohlen | nicht empfohlen |
| Zellkultur | meist ungeeignet | geeignet (steril filtriert) | geeignet |
| Isotonie | nein | nein | ja |
Wann es ungeeignet ist
- Zellkultur: Benzylalkohol ist für viele Zelllinien zytotoxisch und kann Ergebnisse verfälschen. Hier steriles Wasser oder Puffer verwenden und bei Bedarf sterilfiltrieren.
- Empfindliche Proteine: Konservierungsmittel können bei manchen Proteinen die Aggregation fördern. Für kurze Peptide wie Semax und Selank ist das kaum relevant, bei größeren Molekülen sollte man es prüfen.
- Analytik: In der HPLC erzeugt Benzylalkohol einen eigenen Peak. Proben für die Analytik besser in reinem Wasser oder im Laufmittel ansetzen.
Handhabung
Septum vor jeder Entnahme desinfizieren, nur sterile Entnahmesysteme verwenden, Verfallsdatum beachten. Wie das Lösen selbst abläuft, beschreibt der Beitrag Rekonstitution.
Warum ausgerechnet 0,9 Prozent
Die Konzentration ist kein Zufallswert. Benzylalkohol wirkt bakteriostatisch, indem er die Zellmembran von Mikroorganismen durchlässig macht und deren Stoffwechsel stört. Unterhalb von etwa 0,5 % reicht dieser Effekt für einen verlässlichen Konservierungsschutz nicht aus; deutlich darüber steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Alkohol selbst mit dem gelösten Stoff oder mit Zellen im Versuchsansatz interferiert. 0,9 % ist der pharmazeutisch etablierte Kompromiss und die Konzentration, auf die sich die meisten Stabilitätsdaten beziehen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen bakteriostatisch und bakterizid. Bakteriostatisch heißt: vorhandene Keime vermehren sich nicht weiter. Es heißt nicht, dass eine kontaminierte Lösung wieder sauber wird. Wer unsauber arbeitet, bekommt eine Lösung mit konservierten Keimen — analytisch schwer zu erkennen und im Versuch eine stille Fehlerquelle.
Haltbarkeit nach dem ersten Anstechen
Solange das Septum unversehrt ist, gilt das aufgedruckte Verfallsdatum. Nach dem ersten Anstechen beginnt eine zweite, kürzere Uhr zu laufen. Als Faustregel hat sich bewährt, angebrochene Mehrdosenbehälter innerhalb von 28 Tagen aufzubrauchen und das Anstichdatum direkt auf das Etikett zu schreiben. Der Behälter gehört zwischen den Entnahmen bei 2–8 °C gelagert, aufrecht und lichtgeschützt.
Trübung, Flocken oder ein verändertes Geruchsbild sind Ausschlusskriterien — unabhängig davon, wie viel Restvolumen noch im Behälter ist und was das Verfallsdatum sagt.
Volumen realistisch planen
Der Bedarf wird regelmäßig unterschätzt. Pro Vial fallen neben dem eigentlichen Lösungsvolumen Totvolumen in Spritze und Kanüle sowie Verwurf beim Spülen an. Wer eine Versuchsreihe mit mehreren Vials derselben Charge ansetzt, rechnet besser mit 20–30 % Aufschlag. Bakteriostatisches Wasser gibt es bei uns in drei Gebindegrößen; für Reihenversuche ist die 30-ml-Variante meist die wirtschaftlichere Wahl.
Häufige Fehler
- Septum nicht desinfiziert. Jede Entnahme ohne vorherige Wischdesinfektion mit einem Alkoholtupfer trägt Keime ein, die der Konservierungsstoff dann nur in Schach hält.
- Als isotone Lösung verwendet. Bakteriostatisches Wasser enthält kein Natriumchlorid. Wo Isotonie gefordert ist, ist es das falsche Lösungsmittel.
- In die Zellkultur übernommen. Benzylalkohol ist für viele Zelllinien zytotoxisch. Für Zellversuche steriles Wasser oder Puffer verwenden und bei Bedarf über einen 0,22-µm-Filter sterilfiltrieren.
- Rest zurück ins Vorratsgefäß. Entnommenes Volumen wird nie zurückgeführt, auch nicht unbenutzt.
- Anstichdatum nicht notiert. Ohne Datum auf dem Etikett lässt sich später nicht mehr entscheiden, ob der Behälter noch verwendbar ist. Ein Filzstift am Arbeitsplatz löst das Problem zuverlässiger als jede Erinnerung.
Welches Lösungsmittel für welchen Ansatz das richtige ist, ordnet der Beitrag Rekonstitution ein; wie lange die fertige Stammlösung nutzbar bleibt, steht unter Lagerung und Stabilität.