Lagerung und Stabilität
Lyophilisat, Stammlösung, Aliquot – was jeweils zu beachten ist und welche chemischen Schwachstellen die Sequenzen von Semax und Selank haben.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst publizierte Forschung zusammen. Er ist keine Anwendungsempfehlung und keine medizinische Information. Unsere Produkte sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.
Lyophilisat
Trocken, dunkel, kalt: Ungeöffnete Vials werden bei −20 °C gelagert, lichtgeschützt und so, dass keine Feuchtigkeit eindringt. Vor dem Öffnen kommt das Vial verschlossen auf Raumtemperatur, damit keine Luftfeuchte auf dem hygroskopischen Pulver kondensiert. Das Verfallsdatum der Charge steht auf dem Etikett und im Analysezertifikat.
Stammlösung und Aliquots
In Lösung laufen Abbaureaktionen schneller ab als im trockenen Zustand. Bewährt hat sich:
- Direkt nach dem Lösen in Aliquots für jeweils einen Versuchstag aufteilen.
- Aliquots bei −20 °C oder kälter einfrieren, jedes nur einmal auftauen.
- Angebrochene Lösungen kurzfristig bei 2–8 °C lagern; für Mehrfachentnahmen bakteriostatisches Wasser verwenden.
- Beschriften: Substanz, Konzentration, Lösungsmittel, Datum, Chargennummer.
Schwachstellen der Sequenzen
Welche Abbauwege relevant sind, lässt sich an der Sequenz ablesen:
| Abbauweg | Semax (MEHFPGP) | Selank (TKPRPGP) |
|---|---|---|
| Oxidation | Methionin an Position 1 kann zu Methioninsulfoxid oxidieren (+16 Da im MS) | Kein Met, Cys oder Trp – wenig oxidationsanfällig |
| Deamidierung | Kein Asn oder Gln | Kein Asn oder Gln |
| Enzymatischer Abbau | Exopeptidasen; in Ratten dominierte kurz nach Gabe das Fragment Pro-Gly-Pro (PMID 16523722) | Exopeptidasen; Fragmente wie Gly-Pro sind beschrieben |
Für Semax heißt das: Lösungen nicht unnötig lange offen stehen lassen und Kopfraum im Vial klein halten. Wer oxidationsempfindlich arbeitet, kann entgaste Lösungsmittel verwenden. Enzymatischer Abbau spielt im sterilen Laboransatz eine geringere Rolle als in biologischen Medien wie Serum oder Gewebehomogenat.
Aufbewahrung
Aliquots einer Charge gehören zusammen, lichtgeschützt und aufrecht. Dafür eignet sich eine Vial-Aufbewahrungsbox.
Temperatur ist der größte Hebel
Chemische Abbaureaktionen folgen näherungsweise der Arrhenius-Beziehung: Pro 10 °C weniger halbiert bis drittelt sich die Reaktionsgeschwindigkeit. Von 25 °C auf −20 °C herunterzukühlen bedeutet daher keinen graduellen, sondern einen um Größenordnungen verlangsamten Abbau. Genau deshalb ist der Unterschied zwischen „im Schrank” und „im Gefrierfach” bei Peptiden kein Detail.
Für die Praxis heißt das: Lyophilisat bei −20 °C oder kälter, angesetzte Aliquots ebenfalls bei −20 °C, aktuell benutzte Arbeitslösungen bei 2–8 °C und nur so lange, wie der Versuchstag dauert. Zeit bei Raumtemperatur ist Zeit, die von der Haltbarkeit abgeht — auch wenn man der Lösung nichts ansieht.
Gefrier-Tau-Zyklen
Jeder Zyklus belastet ein gelöstes Peptid gleich mehrfach: Beim Gefrieren steigt die Konzentration in der noch flüssigen Phase stark an, der pH-Wert kann sich verschieben, und an der wachsenden Eisgrenzfläche kommt es zu Adsorption. Bei kurzen, gut löslichen Peptiden wie Semax und Selank ist das weniger dramatisch als bei großen Proteinen, messbar bleibt es trotzdem.
Die Konsequenz ist einfach: lieber viele kleine Aliquots als wenige große. Ein Aliquot, das genau für einen Versuchstag reicht, wird einmal aufgetaut und danach verworfen. Dafür eignen sich sterile Leervials.
Licht, Sauerstoff und Kopfraum
Semax trägt mit Methionin an Position 1 die einzige wirklich oxidationsempfindliche Seitenkette der beiden Sequenzen. Sauerstoff aus dem Kopfraum des Vials und UV-Licht beschleunigen die Oxidation zum Methioninsulfoxid, das sich im Massenspektrum als +16 Da darstellt. Praktische Gegenmaßnahmen: Vials möglichst voll befüllen, den Kopfraum klein halten, dunkel lagern und bei besonders empfindlichen Ansätzen entgaste Lösungsmittel verwenden.
Selank enthält weder Methionin noch Cystein oder Tryptophan und ist in dieser Hinsicht unkritischer. Die Sequenz ist dafür mit Lysin und Arginin basischer, was bei stark alkalischen Puffern zu beachten ist.
Was ins Laborbuch gehört
Rückverfolgbarkeit entscheidet darüber, ob ein auffälliger Messwert später erklärbar ist. Auf jedes Etikett und in jede Zeile des Laborbuchs gehören: Substanz, Chargennummer, Konzentration, Lösungsmittel, Datum des Lösens und die Zahl bereits erfolgter Auftauvorgänge. Die Chargennummer verbindet das Aliquot mit dem Analysezertifikat und damit mit der gemessenen Ausgangsreinheit.
Aliquots einer Charge gehören zusammen, lichtgeschützt und aufrecht — dafür eignet sich eine Vial-Aufbewahrungsbox. Wer mehrere Versuchsreihen parallel fährt, sollte zusätzlich vermerken, aus welchem Ansatz ein Aliquot stammt.